Anaïs Meier

Anaïs Meier

lässt Enten sprechen und Füße auftauchen

Meier_Anaïs_1©Nonda

Geladen haben wir Anaïs Meier bereits mit ihrem Erzählband „Über Berge, Menschen und insbesondere Bergschnecken“ (mikrotext 2020), mittlerweile ist ihr erster Roman „Mit einem Fuß draußen“ (Voland & Quist 2021) erschienen. In ihren Kurzgeschichten bringt Anaïs Meier Verschwiegenes unverblümt zur Sprache. Das ist überraschend und erfreulich komisch. Sie macht aber auch das Gegenteil davon. Sie schreibt über die größten Schweiz-Klischees und weidet diese genussvoll aus. Aber eben sprachlich auch wieder vollkommen überraschend anders. Das ist Satire, die manchmal im Kleid einer Reportage, mal in Form eines analytischen Kommentars, dann wieder als Persiflage einer wissenschaftlichen Arbeit daherkommt. Traditionell Verfahrenes ist ebenso Thema wie neumodische Torheiten, Lifestyle und unterschätztes Gemüse. Anaïs Meier vermag aus Alltagsmüll Gold zu schürfen und wer kann das schon von sich behaupten? Diese Kurzgeschichten sind alles: von schräg poetisch bis krass lustig. Und der Roman? Der überzeugt mit der Erzählhaltung. Anaïs Meier versteht es, den Blickwinkel zu verändern. In „Mit einem Fuß draußen“ blicken wir durch die Figur Gerhard (ein wunderlicher Zausel) auf seine und unsere Welt. Der selbsternannte Kommissär und Parkwächter tickt anders. Er ist direkt, pragmatisch, verstörend. Er hat eine Entdeckung gemacht: ein Fuß im Schuh, im See des Parks, dessen Wächter er sich schimpft. Das ist ein Fall, der gelöst gehört und Gerhard die Anerkennung bringen könnte, die er verdient hat. Denn das Leben hat es nicht sehr gut gemeint mit ihm. Dabei will er ja gar nicht viel. Ein „Mehrbesser“ will er nicht sein. Er will auf du und du mit dem Universum sein, ein bisschen Anerkennung für seine Dienste an der Umwelt und jemanden an seiner Seite. Wir wollen mehr solche wunderbar einfühlsame Geschichten und seufzen freudig nach Fortsetzung.