John Wray

John Wray

begründet, leitet und treibt im Alleingang die austro-US-amerikanische Literatur voran

 

John Wray (Foto (c) Ali Smith)

John Wray (Foto (c) Ali Smith)

John Wray könnte eine seiner Romanfiguren sein: familiäre Wurzeln in Wien und Friesach, aufgewachsen in Buffalo ganz im Norden an der kanadischen Grenze des Bundesstaats New York, Studium der Biologie, lebt in Brooklyn, spielte in mehreren Rockbands Gitarre, Bass oder Schlagzeug und ist mehrfach preisgekrönter Schriftsteller. Wie Wray stehen seine Romanfiguren nämlich häufig zwischen allen Stühlen (und/oder Kontinenten) und setzen sich doch oder gerade deshalb irgendwie oder sogar besonders brillant durch. So wird etwa in seinem Erstling „The Right Hand of Sleep“ (2001), das nun in deutscher Übersetzung von Peter Knecht als „Die rechte Hand des Schlafes“ im Taschenbuchformat zugänglich ist, Oskar Voxlauer noch als halbes Kind im ersten Weltkrieg an die Front geschickt, desertiert bei erster Gelegenheit, kehrt nach langem Aufenthalt in der Ukraine 1938 in seine Kärntner Heimat zurück und gerät dort mit den neuen Machthabern in Konflikt. Literarische Außenseiterfiguren stehen auch im Zentrum von „Lowboy“ („Retter der Welt“, 2009) und „The Lost Time Accidents“ („Das Geheimnis der verlorenen Zeit“, 2016), das daneben noch mit Zeitreisen, Znaimer Gurken und Klimt-Beschimpfung aufwarten kann (sowie mit einer mehrere Generationen, Zentraleuropa und New York sowie das ganze 20. Jahrhundert umfassenden Story).

Wray holte sich 2017 beim Bachmann-Preislesen den Deutschlandfunk-Preis mit seinem Text „Madrigal“ (sein erster auf deutsch verfasster veröffentlichter Text!) dermaßen souverän ab, dass sich Teile der Jury wunderten, was so ein ausgebuffter Schriftsteller, der eigentlich in einer ganz anderen Liga spielt, bei diesem Bewerb überhaupt noch verloren hat. Wray beherrscht es eben meisterlich, gleichzeitig so unaufdringlich und lesefreundlich wie gekonnt und komplex zu erzählen.

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