Tim Krohn

Tim Krohn

geht den Gefühlen in einem Zürcher Mietshaus nach

 

Tim Krohn (Foto (c) Susanne-Schleyer)

Tim Krohn (Foto (c) Susanne-Schleyer)

Die Geschichte beginnt mit einer Crowdfunding-Idee um die dringend nötige Renovierung des Bades zu finanzieren. Den Wunsch eine Enzyklopädie der menschlichen Gefühle und Charakterzüge zu schreiben kombinierte Krohn mit Auftragsarbeiten. Er verkauft die Geschichten und jedeR UnterstützerIn darf sich eine der Regungen von „aalglatt“ bis „zynisch“ aussuchen und erhält zu jenem Begriff ihre und seine ganz persönliche Geschichte. Die Idee schlägt ein, das Bad wird renoviert. Nun macht Krohn sich daran, diese Geschichten, Gefühle und Regungen unter Dach und Fach zu bekommen. Am besten unter das Dach eines Zürcher Mietshauses.
Dort hat er eine bunte Mischung an MieterInnen zusammengetrommelt: Hubert Brechbühl, einen frühpensionierten Trämler. Moritz Schneuwly, ETH-Student und Tüftler. Das achtzigjährige Ehepaar Wyss (er war Logistiker bei der Post), das schon länger auf den Tod wartet, doch dazu noch viel zu lebendig ist. Die alleinerziehende Lektorin Julia Sommer, die keinen Sex hat, aber eine vierjährigen Tochter, das junge Paar Pit und Petzi, das wiederum genügend Sex hat, darob aber andere Dinge vernachlässigt und einige mehr. Alles mit unbändiger Erzähllust und ebensoviel Witz wie Sensibilität gezeichnet. Ein hochdisziplinierter, kunstreicher Spagat zwischen intellektuellem Experiment und großer Erzählkunst. Die LeserInnen staunen, lachen und leiden mit, und am Ende dieses Bandes geht es ihnen wie nach jeder einzelnen Erzählung darin: Sie möchten gleich weiterlesen!
Zwei Bände von „Menschliche Regungen“ (beide Galiani, 2017) sind bisher erschienen, der dritte wartet in den Startlöchern. Zuvor kommt der Wahlschweizer Tim Krohn nach Innsbruck in die schöne AutorInnen-WG des 16. Prosafestivals.

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