Karin Peschka

Karin Peschka

lässt Wien quasi sich selbst verdauen

Karin Peschka (Foto (c) Dominique Hammer)

Karin Peschka (Foto (c) Dominique Hammer)

„Wien? Endstation“ oder „Wien? Eine Enttäuschung“, so heben die Geschichten in „Autolyse Wien“ (Otto-Müller-Verlag 2017) an, das Unglück fand stets schon statt. Die Lesenden dürfen sich die Apokalypse selbst ausmalen, geschult darin sind wir ja als Film- und SerienkonsumentInnen. Karin Peschka deutet bloß an und konzentriert sich dann auf die Prozesse danach beziehungsweise Geschichten davor. „Erzählungen vom Ende“ lautet der Untertitel und ja, die Autorin lässt die Stadt an der Donau immer wieder lustvoll untergehen und lenkt die Aufmerksamkeit auf Einzelschicksale in postkatastrophalen Zeiten. Das klingt nach harter Kost, ist aber vielmehr eine saubere Sache, denn „Nach dem Tod beginnt die Selbstverdauung, die Selbstauflösung.“
Der Untergang selbst mag laut sein, was folgt, ist definitiv Stille. „Autolyse Wien“ ist ein stilles, ruhiges, unaufgeregtes Buch, das aber tief geht und im Trümmerhaufen der Apokalypse mit Beziehungen aufräumt. Allein die Hunde halten da und dort die Treue. Wien hat den Ruf, eine morbide Stadt zu sein. „Autolyse Wien“ ist das perfekte Wien-Buch.
Karin Peschka bleibt auch in ihrem dritten Buch unvorhersehbar und eigenwillig. Ihr erstes Buch „Watschenmann“ (2015) verarbeitete die Vergangenheit (und wurde u.a. mit dem Alpha- und dem Wartholz-Literaturpreis ausgezeichnet). Mit „FanniPold“ (2016) behandelte sie die Gegenwart in der Provinz und das aktuelle Werk blickt in eine mögliche, kaputte Zukunft in der Hauptstadt. Apropos Zukunft: Ab Mai ist Karin Peschka Stadtschreiberin in Klagenfurt, möge sie dieser Stadt ein ebenso originelles literarisches Denkmal setzen wie Wien.  

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