Simone Hirth

Simone Hirth

offenbart, dass nicht alle geborene Aussteiger_innen sind

 

Simone Hirth (Foto (c) Detailsinn)

Simone Hirth (Foto (c) Detailsinn)

In ihrem Romandebüt „Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft“ (2016) lässt die Heldin auf eingestürzte Lebensentwürfe, Herkunftsverlust und Systemausbruch einstweilige Selbstversorgung folgen. In „Bananama“ (Kremayer & Scheriau 2018) wird noch einen Schritt weiter gegangen. Bananama ist eine Aussteigerzone, die Erzählerin der Geschichte eine Sechsjährige, der Wörter wie Permafrost, Biosphärenpark, Mikroplastik und Ähnliches um die Ohren gehauen werden. Kein Wunder, dass sie am liebsten Wörter in Einmachgläser steckt und diese begräbt. Sie packt auch gerne Dinge in den Wunschkoffer und wär doch am liebsten einfach ein normales Mädchen, das zur Schule geht, Freundinnen hat, Schokolade und anderes Ungesundes essen darf. Aber die Eltern haben einen Traum. Einen Traum, aber keinen Plan. Schon klar, Entbehrungen gehören dazu, aber ein Rasenmäherroboter ist dann doch praktischer als eine Sense. Wird es der Bananama-Prinzessin gelingen, aus dem Aussteigen auszusteigen?
Simone Hirth, geboren 1985 in Freudenstadt hat am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert und lebt heute als freischaffende Autorin mit ihrer Familie in Kirchstetten/Niederösterreich. Ihr Bananama ist märchenhaft und hat angenehm satirische Züge. Denn die Eltern machen Dinge, die selbst der jungen Heldin komisch vorkommen. Mutter im Kauf-, Vater im Tauschrausch, Kind auf Sozial-, nein, auf Totalentzug. Da wird dann ein Kindergeburtstag nicht nur zum großen Fressen sondern auch zum Highlight nicht nur der Woche, sondern des jungen Lebens. Dass schließlich etwas im Beerenbeet Liegendes vor Augen führt, dass man sich der Welt da draußen nicht ganz verschließen kann und darf, ist zwar drastisch, aber notwendig.

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