Tanja Paar

Tanja Paar

schreibt sich unbarmherzig genial in die vorderste Riege

 

Tanja Paar (Foto (c) Pamela Russmann)

Tanja Paar (Foto (c) Pamela Russmann)

Wenn eine Journalistin des Jahres (2011) ihren Debütroman vorlegt, darf man sich schon einiges erwarten. Was aber Tanja Paar in „Die Unversehrten“ (Haymon 2018) anhand von drei Figuren abzieht, das ist fürwahr ungewöhnlich. Eine tödliche Ménage à trois mit Zeitverzögerung, die da zwischen Violenta, Martin und Klara abläuft.
Die Studentenliebe zwischen Violenta und Martin ist groß, größer als die Distanz zwischen Berlin und Bologna. Denn Violenta weiß, dass Martin nicht treu sein kann. Sie akzeptiert das, solange es sich nur um Sex dreht. Martin ist ein Frauensammler und beim Sammeln stolpert er über Klara. Und Klara wird schwanger. Das ist der Wendepunkt im Leben der drei. Der erste. Der zweite folgt, als Violenta nach zehn Jahren wieder auftaucht. Die Beziehung zwischen Klara und Martin, samt Kindern, Bierbauchansatz und Frustration, ist der geeignete Boden, damit Vio ihren Plan umsetzen kann. Welcher das ist, wird hier nicht verraten. Dass nicht alles glatt, das heißt eigentlich alles ziemlich aus dem Ruder läuft, sei verraten. Dafür läuft es auf ein furios katastrophales Ende zu.

Die größten Katastrophen brauchen nicht viele Mitspielende. Die frühere langjährige Standard-Redakteurin lenkt ihre Figuren stilsicher von menschelnden Durchschnittsproblemen in erschreckende Gewaltmomente und ins schier ausweglose Dilemma. Die Kapitel sind kurz, trumpfen aber dennoch mit einer tiefgreifenden Figurenzeichnung auf. Raffiniert dabei der – scheinbar willkürliche – Perspektivenwechsel, der das noch unterstreicht. Wortgewaltig und einfühlsam zeigt sich Paar, ihren Figuren selbst in den verzweifeltsten Situationen nahe, was denen aber nix nützt. Diese leiden, die Leserin und den Leser lässt das alles bis zum raffinierten Schluss nicht los. Famos.

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