Michael Stavarič

Michael Stavarič

baut eine abgründige Romanwelt, in der sich Reales und Surreales vermischen

 

Michael Stavaric (Foto (c) Yves Noir)

Michael Stavaric (Foto (c) Yves Noir)

„Gotland“ ist ein mutiges Unterfangen, in dem der Autor, laut Eigenaussage, einen gänzlich neuen Zugang zum Romanschreiben für sich gefunden hat. Gotland ist ein wahnwitziger und ja, auch größenwahnsinniger, dabei glaubensskeptischer und religionskritischer Roman. Gotland ist eine schamlose Wucht mit Bibelpathos und Schalk im Nacken. Gotland befreit und unterhält. Gezielte Verstörung ist in Gotland Programm. Das beginnt schon beim Cover, das doch eine sehr darke, düstere Geschichte suggeriert. So dunkel ist die Geschichte über weite Strecken gar nicht, aber sie ist schwarzhumorig, das schon. Übrigens sind parallel zu Gotland (Luchterhand 2017) auch der Dialekt-Gedichtband „in an schwoazzn kittl gwicklt“ und das Kinderbuch „Als der Elsternkönig sein Weiß verlor“ erschienen, die beide auch mit Gotland zu tun haben.
Michael Stavarič ist ein vielseitiger Autor, er wurde 1972 in Brno geboren, lebt als freier Schriftsteller, Übersetzer und Dozent in Wien. Gotland ist auch vielseitig und es geht darin nicht ganz mit normalen Dingen zu. Hier muss man sich einlassen auf eine Welt, die für einen gebaut wird. Eine Welt samt metaphysischem Überbau und psychologischer Tiefenstruktur. Der Protagonist ist Sohn einer alleinerziehenden Zahnärztin in Wien. Die Bibel, das Katholische hat die Vaterfunktion zu übernehmen. Der Heranwachsende zweifelt an seinem Ersatzvater, stellt ihn mehrmals auf die Probe. Archaischer Evangelienduktus dort, naiv-forschende Kinderperspektive da. Das reibt sich angenehm und hat sprachlich humoristische Effekte. Das hat aber auf die Entwicklung des Kindes auch psychologische Effekte. Was also kann passieren, wenn man die Bibel zu wörtlich nimmt, wenn man die Vaterfigur im Herrn sucht und immer wieder von Gott dem Herrn enttäuscht wird? Wir werden’s erfahren.

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