Michael Fehr

Michael Fehr

eine Schweizer Erfolgsgeschichte hat den Blues

Foto Michael Fehr (c) Franco Tettamanti

Foto Michael Fehr (c) Franco Tettamanti

Der Erfolg beginnt schon beim Berufsberater! War es reiner Zufall, oder sind BerufsberaterInnen in der Schweiz generell überqualifiziert und hellsichtig? Auf jeden Fall wurde Michael Fehr von einem Berufsberater empfohlen, das Literaturinstitut in Biel zu besuchen. Das war ein guter Ratschlag, bewirkte es denn vor allem eines, nämlich dass Fehr seine ausufernde Phantasie in den Griff bekam.
2013 erschien „Kurz vor der Erlösung“, ein höchst wundersames Oratorium in siebzehn langen Sätzen. Mit dem 2015 erschienen „Simeliberg“ wurde Michael Fehr zum Shootingstar der Schweizer Literaturszene. Dieser Sprachkunst-Krimi aus der Berner Gegend hat ihm den 2. Platz beim Bachmann-Wettlesen eingebracht. Nun liegt der Erzählband „Glanz und Schatten“ (Der gesunde Menschenversand 2017) vor: 18 Erzählungen, allesamt im linksbündigen Flattersatz und ohne jedwede Satzzeichen gedruckt. Verschriftlichte Satzzeichen brauchen Fehr-Texte nicht, sind sie doch ureigentlich Sprechtexte. Die Niederschrift ist bei Fehr auch kein Nieder-Schreiben, mehr eine ergebnisorientierte Variante, eine Art Sprachpartitur. Er redigiert seine Texte mit den Ohren, nicht mit den Augen. Das rührt aus mehreren Ereignissen heraus, u.a. daraus, dass Fehr ein begnadeter Bluesinterpret ist, hochmusikalisch, stimmlich wie sprachlich. Wiederholungen sind – wie in der Musik – ein einprägsames Stilmittel. Stilmittel, gerade auch im Vortrag, sind auch die Pausen. Fehr beherrscht nicht nur die Buchstaben, er beherrscht auch die Leerzeichen dazwischen. Seine Texte sind perkussiv und es schwingt – wie beim Blues – etwas Existenzielles, etwas Tieftrauriges mit. Die Erzählungen sind teils märchenhaft, teils dialogisch, teils auch recht heftig, wenn etwa die Anleitung zur Schlachtung eines Rebhuhns weitergegeben wird. Sie berichten von menschelnden Tieren und menschelnden Menschen, von Sehnsucht und Tod. Erzählter Blues in satten literarischen Varianten. Der junge Tom Waits der Schweizer Poesie!

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